Juni 2026: Orange
Woran denken Sie bei der Farbe Orange? Ich sehe sofort die Frucht vor mir. Toll, wenn ein Gegenstand in dieser Farbe den Namen prägt. Das kommt immer wieder vor: Rose bzw. Rosa durch die edle Blume. Olivgrün durch die leckeren Oliven. Rubinrot durch den funkelnden Edelstein. Smaragdgrün ebenso. Oder Saphirblau. Die Farbe Elfenbein durch die Stoßzähne der Elefanten. Dann hätten wir noch Schokoladenbraun und Senfgelb.
Sprachhistoriker nutzen die Entwicklung und den Einsatz von Farbnamen, um Kulturen miteinander zu vergleichen. Die Komplementärfarben Rot, Blau, Gelb sind sehr alte Farbwörter. Die Mischfarben Orange, Rosa, Türkis, Lila oder Beige kamen später auf und wurden von Gegenständen abgeleitet. Interessant: Das englische Wort für die Frucht Orange setzte sich auch in anderen Ländern und Sprachen durch – als Farbbezeichnung weniger.
Als Erklärung nennen Sprachwissenschaftler, dass die Begriffe z.B. für neues Obst, dass den Markt erobert, oft aus dem Herkunftsland übernommen werden. Als Beispiele werden Kiwi, Mango und Avocado genannt. Die Farbe Orange war in den meisten Ländern etabliert, bevor die Frucht importiert wurde. Wir Deutschen lieben es, gerade Farben von der Wahrnehmung von Gegenständen abzuleiten.
Auch hier gilt: Farben werden sympatisch oder unsympatisch wahrgenommen. Bei Schwarz, Braun und Grau scheiden sich die Geister. Bei Orange seit neuestem: Wird die Hautfarbe des US-Präsidenten doch oft damit gleichgesetzt. Lassen wir uns die schöne Farbe und das leckere Obst aber nicht vermiesen. Denken wir bei Orange lieber an den süßen Genuss und den Vitamin-C-Gehalt. Wohl bekomm’s!
